Am kommenden Samstag, 5. September 2026, gibt es in Ochtendung gleich zwei besondere Jubiläen zu feiern: 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Caiazzo in Italien und La Chaussée-Saint-Victor in Frankreich sowie 20 Jahre Kulturhalle Ochtendung.
Zeit, einmal auf die Partnerschaften zurückzublicken - heute geht es weiter mit unseren Freunden aus Italien: Caiazzo.
Die Städtepartnerschaft zwischen Ochtendung und der italienischen Stadt Caiazzo gehört seit vielen Jahren zu den lebendigen und prägenden Bestandteilen unseres Gemeindelebens. Was heute von Freundschaft, gegenseitigem Respekt und zahlreichen persönlichen Begegnungen geprägt ist, begann Mitte der 1990er-Jahre mit dem gemeinsamen Wunsch, Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Nationen zu bauen.
Im Mai 1995 reichte der Bürgermeister von Caiazzo Nicola Sorbo Ochtendung die Hand und bot der Maifeldgemeinde eine Gemeindepartnerschaft an. Eine beeindruckende Entscheidung im Sinne der Aussöhnung, des gemeinsamen Erinnerns und des europäischen Gedankens. So sagt es auch schon das Vorwort der Satzung des caiatinischen Partnervereins „Amici di Ochtendung“: „Die Erinnerung begleitet uns in die Zukunft.“
Zum geschichtlichen Hintergrund, den in Caiazzo jeder Caiatiner genauestens kennt: Im Zweiten Weltkrieg auf dem Rückzug vor den Amerikanern massakrierte ein kleiner Trupp der Wehrmacht mit ihrem Leutnant ohne militärischen Befehl 22 Menschen in einem Bauernhaus in der Nähe von Caiazzo. An die Geschehnisse vom 13. Oktober 1943 wird jedes Jahr am Monte Carmignano erinnert. Der junge Leutnant zog nach dem Krieg nach Ochtendung. Im Zuge der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die durch die Wehrmacht auch in Italien verübt worden waren, wurde dieser 1992 angeklagt – trotz bewiesener Schuld wurde das Verfahren 1994 jedoch aufgrund von Verjährung eingestellt.
Unmittelbar nach dem Partnerschaftsangebot von Caiazzo entstand in Ochtendung eine Bürgerinitiative, die mit einer Unterschriftensammlung für die Aufnahme der Gemeindepartnerschaft warb. Einstimmig votierte der Ortsgemeinderat Ochtendung dann am 7. Juni 1995 für die Gründung einer Gemeindepartnerschaft. Im September und Oktober folgten die ersten Besuche von Delegationen. Die Verbindung zwischen Ochtendung und Caiazzo wurde offiziell dann im Jahr 1996 besiegelt. Die erste Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde erfolgte am 4. Mai 1996 in Ochtendung durch den Bürgermeister von Caiazzo Nicola Sorbo und den Ochtendunger Ortsbürgermeister Franz Schmitz. Die Gegenzeichnung fand am Jahrestag am 13. Oktober 1996 in Caiazzo am Monte Carmignano statt.
Caiazzo liegt in der süditalienischen Region Campanien, unweit von Caserta und Neapel. Die Stadt blickt auf eine lange Geschichte zurück und ist bekannt für ihre landschaftlich reizvolle Lage, ihre Gastfreundschaft sowie ihre traditionsreiche Kultur.
Seit der offiziellen Gründung haben zahlreiche gegenseitige Besuche stattgefunden. Regelmäßig reisen Delegationen, Vereinsmitglieder, Familien und interessierte Bürgerinnen und Bürger nach Italien oder empfangen Gäste aus Caiazzo in Ochtendung. Bei diesen Treffen stehen nicht nur kulturelle Sehenswürdigkeiten oder offizielle Empfänge im Mittelpunkt. Viel wichtiger sind die persönlichen Begegnungen, die gemeinsamen Gespräche und die Erfahrungen, die Menschen miteinander teilen. Über die Jahre sind auf diese Weise viele Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen und weit über die eigentlichen Partnerschaftstreffen hinausreichen.
Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Partnerschaft leistet der bereits im Februar 1996 gegründete Freundeskreis Caiazzo-Ochtendung. Im Juli 1996 erfolgte die Konstituierung des Vereins „Associazione Amici di Ochtendung“ in Caiazzo. Seine Mitglieder organisieren Besuche, planen Programme und sorgen dafür, dass sich Gäste in der jeweiligen Partnergemeinde willkommen fühlen. Dank ihres ehrenamtlichen Engagements bleibt die Partnerschaft lebendig und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Die Freundeskreise sind dabei ein wichtiges Bindeglied zwischen den Menschen beider Städte und tragen maßgeblich dazu bei, dass aus einer offiziellen Verbindung eine echte Freundschaft geworden ist. Bedeutsam war von Beginn auch die Einbindung der Vereine in die Städtepartnerschaft wie etwa des Radsportvereins oder der Gesangsvereine und auch die regelmäßigen Einladungen zu Gemeindefestivitäten wie etwa Karneval oder zum Weihnachtsmarkt.
Im Mittelpunkt der Partnerschaft steht immer wieder der europäische Gedanke. Die Begegnungen zeigen, dass Europa nicht nur aus politischen Institutionen besteht, sondern vor allem durch den Austausch seiner Bürgerinnen und Bürger lebt. Wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen, voneinander lernen und Gemeinsamkeiten entdecken, entsteht ein starkes Fundament für Frieden, Verständigung und Zusammenarbeit.
Ein weiterer Schwerpunkt der Partnerschaft liegt auf den Begegnungen junger Menschen. Immer wieder wurden Möglichkeiten geschaffen, damit Jugendliche und junge Erwachsene internationale Erfahrungen durch gegenseitige Schulbesuche sammeln können. Eines der Highlights war sicherlich das 3-Länder-Jugendfußballturnier gemeinsam mit der französischen Partnergemeinde La Chausée-Saint Victor im Jahre 2000 und die gemeinsame Berlinfahrt drei Jahre später.
Eine Basaltstele in Caiazzo zeigt seit 2001 das Ochtendunger und das Wappen von Caiazzo und hat folgende Inschrift: „Miteinander die Zukunft gestalten – insieme per costruire il futuro“.