Rückblick auf eine schöne Reise nach Caiazzo | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Rückblick auf eine schöne Reise nach Caiazzo

Ochtendunger Delegation erlebt Herzlichkeit, gelebte Partnerschaft und wichtige Impulse für Europas Zukunft


Schöne, emotionale und berührende Tage liegen hinter uns. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens unserer Städtepartnerschaft reisten der Freundeskreis Caiazzo aus Ochtendung in unsere italienische Partnerstadt. Aufgrund der Jubiläumsfeierlichkeiten, wie auch aus hohem persönlichen Interesse, nahm auch ich als Ortsbürgermeister an der Reise und den offiziellen Veranstaltungen teil. Überall begegneten uns große Herzlichkeit und beeindruckende Gastfreundschaft.

Ein Baum als Zeichen der Freundschaft

Zum Auftakt wurden wir im Rathaus herzlich empfangen. Gemeinsam pflanzten wir einen Ginkgo-Baum – ein Symbol für Widerstandskraft, Langlebigkeit, Frieden und Neubeginn. Seine Geschichte, auch als Baum, der den Atombombenabwurf auf Hiroshima überstand und wieder austrieb, macht ihn zu einem besonderen Zeichen der Hoffnung.

Begegnungen, die Generationen verbinden

Ein Höhepunkt war der Besuch der Mittelschule in Caiazzo. Die Schülerinnen und Schüler empfingen uns mit Musik und eindrucksvollen Darbietungen. In meiner Ansprache erinnerte ich an Nicola Sorbo, der vor 30 Jahren den entscheidenden Schritt machte und Ochtendung die Hand zur Freundschaft reichte.

Meine Botschaft an die jungen Menschen lautete: Seid mutig und neugierig, sucht den Dialog über Ländergrenzen hinweg, lernt andere Kulturen kennen und baut Freundschaften auf. Wie nachhaltig solche Begegnungen wirken, zeigte ein Überraschungsbesuch von Antonio Siragusa, jetzt Lehrer an der Mittelschule in Caiazzo, und Daniela Dalin aus Ochtendung, die 2003 an einer Freizeit von Jugendlichen aus Caiazzo, Ochtendung und dem französischen La Chaussée-St. Victor teilgenommen hatten. Sie berichteten von einer gemeinsamen Jugendbegegnung mit Jugendlichen aus Caiazzo, La Chaussée und Ochtendung und einer Reise nach Berlin vor mehr als 20 Jahren. Die daraus entstandenen Freundschaften bestehen bis heute. Das bestärkt uns darin, ein neues trinationales Jugendtreffen auf den Weg zu bringen.

Erinnerung bewahren, Freundschaft erneuern

Ein besonderer Tag führte uns an drei bedeutende Orte. Am wissenschaftlichen Gymnasium pflanzten wir gemeinsam mit Britta Schlütter von der Deutschen Botschaft in Rom einen weiteren Baum. Die Aktion gehört zur Initiative „75 Bäume an 75 Orten“ anlässlich des 75-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien.

An der geschichtsträchtigen Masseria di Monte Carmignano erneuerten Ochtendung und Caiazzo ihren Partnerschafts- und Freundschaftsvertrag. Nach einer Kranzniederlegung erinnerten die Ansprachen von Bürgermeister Stefano Giaquinto, der Vertreterin der Deutschen Botschaft und mir an unsere gemeinsame Geschichte. Für mich war die Unterzeichnung weit mehr als ein formeller Akt: Sie ist ein bewusstes Bekenntnis, unsere Verbindung zu stärken und an die nächste Generation weiterzugeben.

Anschließend gedachten wir auf dem Friedhof von Caiazzo der Opfer des damaligen Massakers. Gemeinsam mit Bürgermeister Stefano Giaquinto und den Vorsitzenden der Freundeskreise, Oreste Insera und Guido Schneider, legten wir einen Kranz nieder. Dieser Moment machte deutlich, wie wichtig Erinnerung, Versöhnung und Verständigung sind. Aus einer schmerzhaften Vergangenheit erwächst die Verantwortung, gemeinsam für Menschlichkeit und Frieden einzutreten.

Die Jugend ist unsere Zukunft

In Gesprächen über die Zukunft unserer Partnerschaft stand ein gemeinsames Jugendtreffen mit Caiazzo, Ochtendung und unserer französischen Partnergemeinde La Chaussée im Mittelpunkt. Der Vorschlag aus Ochtendung liegt dem Bürgermeister von Caiazzo vor; das Interesse ist auf beiden Seiten groß. Nun wollen wir gemeinsam überlegen, wie junge Menschen einander begegnen, Zeit miteinander verbringen und Freundschaften über Grenzen hinweg schließen können.

Über Jahrzehnte gewachsene Freundschaft

Die Reise hat mir gezeigt: Unsere Städtepartnerschaft ist weit mehr als eine Verbindung zwischen zwei Kommunen. Sie ist eine über Jahrzehnte gewachsene Freundschaft zwischen Menschen. Die Begegnungen, die Baumpflanzungen, die Erneuerung des Vertrages und das gemeinsame Gedenken haben verdeutlicht, was uns verbindet: Wir bewahren unsere Geschichte, gestalten unsere Gegenwart und übernehmen Verantwortung für die Zukunft.

Solche Beziehungen leisten auch auf kommunaler Ebene einen wertvollen Beitrag zu einem geeinten Europa. Vertrauen wächst dort, wo Menschen einander kennenlernen, Vorurteile überwinden und Freundschaften schließen – nicht nur in Hauptstädten und Parlamenten, sondern mitten in unseren Gemeinden.

Danke, Caiazzo – auf viele weitere Jahre der Freundschaft

Mein herzlicher Dank gilt unseren italienischen Freunden, insbesondere Bürgermeister Stefano Giaquinto, für die überwältigende Gastfreundschaft und die unvergesslichen Begegnungen. Ebenso danke ich dem caiatinischen Freundeskreis für das hervorragend vorbereitete Programm sowie dem Freundeskreis Caiazzo aus Ochtendung für sein langjähriges Engagement.

Wir sind mit schönen Erinnerungen, großer Dankbarkeit und dem Gefühl nach Hause zurückgekehrt, dass unsere Verbindung weiter gewachsen ist. 30 Jahre Städtepartnerschaft sind nicht nur ein Grund, zurückzublicken, sondern vor allem ein Auftrag, unsere Freundschaft für die Menschen beider Gemeinden, für die nächste Generation und für ein Europa des Vertrauens und Zusammenhalts lebendig zu halten.

Grazie di cuore, Caiazzo! Danke von Herzen für diese wunderbaren Tage.

Hans-Georg Hammes

Ortsbürgermeister